
Talentsichtung im CC Nord bricht alle Rekorde
Zuchtzulassungsveranstaltung beim RSV2000 Bennebek „de Liekedeelers“ am 31. Oktober und 1. November 2026
Was ursprünglich als ganz normale Zuchtzulassungsveranstaltung geplant war, entwickelte sich am letzten Oktoberwochenende zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art im CC Nord. 26 Hunde in der Talentsichtung, neun Hunde in der Körung und eine gut besuchte Ausstellung für Deutsche und Belgische Schäferhunde machten das Wochenende in der Ortsgruppe RSV2000 Bennebek „de Liekedeelers“ zu einer organisatorischen und kynologischen Herausforderung, die von allen Beteiligten mit bemerkenswerter Disziplin und großem Engagement gemeistert wurde.
Ein bewährtes Konzept stößt auf außergewöhnliches Interesse
Seit vielen Jahren verfolgen wir im RSV2000 das Konzept, die wesentlichen Elemente der Zuchtzulassung an einem Wochenende zusammenzuführen. Talentsichtung, Körung und Ausstellung sollen möglichst an einem Ort und in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen stattfinden. Damit ersparen wir unseren Mitgliedern, Züchtern und Hundeführern unnötige Reisen von einer Veranstaltung zur nächsten.
Gerade in der heutigen Zeit zeigt sich, wie mitgliederfreundlich dieses Konzept tatsächlich ist. Die allgemeinen Kosten sind erheblich gestiegen. Wer mit seinem Hund quer durch Deutschland reist, muss nicht nur die Kraftstoffkosten berücksichtigen, sondern häufig auch Übernachtungen und Verpflegung. Eine vernünftige Organisation der Zuchtzulassung ist deshalb nicht nur eine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern auch eine Frage des verantwortungsvollen Umgangs mit den Ressourcen unserer Mitglieder.
Üblicherweise planen wir für eine Talentsichtung maximal zwölf Hunde an einem Tag ein. Auch in Bennebek war zunächst diese Größenordnung vorgesehen. Doch nachdem die ersten zwölf Meldungen eingegangen waren, nahm das Interesse keineswegs ab. Im Gegenteil: Die Warteliste wurde immer länger.
Für uns im CC Nord stellte sich damit die Frage, ob wir weitere Hundeführer abweisen oder unsere Organisation an die Nachfrage anpassen sollten. Gemeinsam mit dem Organisationsteam der Ortsgruppe haben wir uns für Letzteres entschieden.
Das bedeutete allerdings, einige gewohnte Abläufe zu verändern, ohne dabei Abstriche an der Qualität der kynologischen Beurteilung zu machen.
Von der Reformation zur modernen Gebrauchshundezucht
So begann die Veranstaltung am Samstag nicht wie üblich um 10:00 Uhr, sondern bereits um 8:45 Uhr.
Als LCC waren Albert Spreu, Stefan Torp und Alberto Alessi anwesend. Unterstützt wurden wir durch die LCC-Anwärter Wassilios Broumas, Nikolaj Kleenhammer und Ingo Petrowski.
Der 31. Oktober ist in Schleswig-Holstein der Reformationstag. Diesen Anlass nutzten wir für einen etwa zehnminütigen historischen Exkurs über die Entwicklung unserer europäischen Gesellschaft und die kulturgeschichtlichen Grundlagen des Gebrauchshundewesens.
Von der Reformation und ihrer Bedeutung für die kritische Auseinandersetzung mit überlieferten Autoritäten führte der gedankliche Weg zur Aufklärung, zu Robert Bakewell als einem der Begründer der modernen systematischen Tierzucht und schließlich zu Adolphe Reul und Rittmeister Max von Stephanitz, die für die Entwicklung der modernen Zucht des Belgischen beziehungsweise Deutschen Schäferhundes von besonderer Bedeutung waren.
Dabei ging es nicht allein um historische Persönlichkeiten, sondern um die kulturelle Kontinuität der europäischen Hüte- und Gebrauchshundekultur. Von der europäischen Tiefebene zwischen Antwerpen und Königsberg bis in die Alpen und Karpaten haben sich über Jahrhunderte regionale Formen der Arbeit mit Hunden entwickelt. Aus diesen Traditionen, den Anforderungen der praktischen Arbeit und den späteren Erkenntnissen der Tierzucht entstand schließlich das moderne Gebrauchshundewesen.
Wer sich heute mit der Zucht unserer Gebrauchshunde beschäftigt, sollte sich gelegentlich auch bewusst machen, auf welchem kulturellen und züchterischen Fundament wir stehen.
26 Hunde in dreieinhalb Stunden
Nach diesem kurzen Ausflug in die Geschichte ging es unmittelbar in die praktische Hundearbeit.
Traditionell begannen wir mit dem Mentalteil der Talentsichtung. Insgesamt wurden 26 Hunde vorgestellt, die in knapp dreieinhalb Stunden kontinuierlich durchgearbeitet werden konnten.
Das war eine bemerkenswerte Leistung, die vor allem durch die Disziplin der Hundeführer möglich wurde. Alle Teilnehmer waren zum vorgesehenen Zeitpunkt mit ihren Hunden bereit und folgten dem eingerichteten Einbahnstraßenbetrieb auf dem Hundeplatz. So konnte im Abstand von wenigen Minuten jeweils der nächste Hund vorgestellt werden.
Es gab keine unnötigen Wartezeiten, keine Unterbrechungen und keine organisatorischen Engpässe.
Hier gilt allen Hundeführern ein ausdrückliches Lob. Eine solche Arbeitsweise funktioniert nur, wenn jeder Einzelne seinen Beitrag leistet.
Unmittelbar nach dem Mentalteil wurden die Hunde zur Bilddokumentation vorgestellt. Von jedem Hund wurden ein Standbild und ein Kopfbild angefertigt, um die Dokumentation der Talentsichtung zu vervollständigen.
Gegen Mittag stießen LAZ Dr. Helmut Raiser und LCC-Anwärter David Garcia hinzu, um die Veranstaltung nach Kräften zu unterstützen.
Für die Mittagspause hatte die Ortsgruppe standesgemäß und regional passend selbstgemachte Erbsensuppe und Rübenmus vorbereitet. Eine willkommene Stärkung nach einem arbeitsintensiven Vormittag.
Im Anschluss ging es für den zur Junghundsichtung vorgestellten Hund zunächst in die Fährte.
Neue Organisation der Formwertbeschreibung bewährt sich
Danach wurde die Arbeit auf dem Hundeplatz mit der Formwertbeschreibung fortgesetzt.
Auch hier hatten wir uns für einen veränderten Ablauf entschieden. An einer zentralen Station erfolgten Vermessung, Verwiegung und Chipkontrolle. Anschließend konnten die Hundeführer ihre Hunde einer der drei LCC-Gruppen zur detaillierten anatomischen Beschreibung vorstellen.
Jedes LCC-Team wurde durch einen eigenen Schreiber unterstützt, der die erhobenen Daten unmittelbar dokumentierte. Das Organisationsteam konnte diese Angaben fortlaufend in die entsprechenden Bewertungsmatrizen übertragen.
Durch diese Aufgabenteilung gelang es, die vorhandenen personellen Ressourcen deutlich effizienter einzusetzen, ohne die individuelle Beurteilung der Hunde zu verkürzen.
Um 17:30 Uhr waren sämtliche zur Talentsichtung vorgestellten Hunde abschließend beschrieben.
26 Hunde mit Mentalbeurteilung, Bilddokumentation und Formwertbeschreibung an einem einzigen Tag: Das ist für unser CC Nord ein neuer Maßstab.
Entscheidend war dabei nicht allein die Zahl der Hunde, sondern die Tatsache, dass wir die kynologische Arbeit in der erforderlichen Sorgfalt und mit einem geordneten Ablauf durchführen konnten.
Eine starke Gemeinschaftsleistung aller LCC-Teams, der Anwärter, der Schreiber und natürlich der gesamten Organisation.
Am Abend blieb dann auch noch ausreichend Zeit, um in gemütlicher Runde bei einem oder zwei Bierchen zusammenzusitzen, zu fachsimpeln und den Tag Revue passieren zu lassen. Auch das gehört zu unserem Vereinsleben.
Sonntag: Körung als besondere Zuchtempfehlung
Am Sonntag begann die Veranstaltung wieder zur traditionellen RSV-Zeit um 10:00 Uhr.
Zehn Hunde waren zur Körung angemeldet, neun wurden schließlich in der Körung 1 vorgestellt.
Als Körhelfer war Alberto Alessi im Einsatz, der alle Hunde unter vergleichbaren Bedingungen fair, gleichmäßig und mit der notwendigen Selektivität arbeitete.
Die Körung ist im RSV2000 die besondere Zuchtempfehlung. Sie geht damit über die grundsätzliche Feststellung der Zuchteignung hinaus.
Hier sollen die Hunde ihre Veranlagungen in besonderer Weise präsentieren. Der Körmeister muss sich ein umfassendes Bild von den vorhandenen Eigenschaften und der Leistungsfähigkeit des Hundes machen können.
Für Körmeister Dr. Helmut Raiser bot sich dazu ausreichend Gelegenheit.
Besonders erfreulich war, dass drei der vorgestellten Hunde freiwillig auch die Sprünge am Oxer und an der Steilwand zeigten. Damit konnten sie zusätzliche Einblicke in ihre körperlichen und koordinativen Fähigkeiten geben.
Nach der Mittagspause folgte die anatomische Beschreibung der gekörten Hunde und damit der zweite Teil der Körung.
Typenvielfalt ist kein Zuchtfehler
Den Abschluss der kynologischen Arbeit bildete die Ausstellung für Deutsche und Belgische Schäferhunde.
Einige Klassen waren erfreulich stark besetzt und boten einen interessanten Überblick über die Typenvielfalt innerhalb unserer Populationen.
Gerade diese Vielfalt verdient eine differenzierte Betrachtung.
Nicht jeder Hund, der dem persönlichen Idealbild eines Zuchtrichters weniger nahekommt, ist deshalb ein schlechter Zuchthund. Innerhalb der Grenzen des jeweiligen Rassestandards muss eine gewisse Spannbreite der Merkmalsausprägungen erhalten bleiben.
Die genetische Vielfalt einer Population ist eine wesentliche Grundlage ihrer langfristigen Zuchtfähigkeit. Wir sollten deshalb sehr sorgfältig unterscheiden zwischen tatsächlichen zuchtrelevanten Mängeln und bloßen Abweichungen von einem bevorzugten Typ.
Es wäre züchterisch wenig sinnvoll, durch überzogene oder falsch interpretierte Ausschlusskriterien wertvolle genetische Variation aus einer Population zu entfernen.
Das bedeutet allerdings keineswegs, dass wir auf eine konsequente Bewertung verzichten dürfen.
Lose Bänder, ein weicher Rücken, übermäßige oder unzureichende Winkelungen sowie Zahnfehler müssen entsprechend ihrer Ausprägung zu einer Abwertung führen. Gleiches gilt für erkennbare Typmängel.
Die Aufgabe des Zuchtrichters besteht darin, solche Merkmale sachgerecht einzuordnen, ihre Bedeutung für die Funktionalität und den Rassestandard zu beurteilen und daraus eine nachvollziehbare Bewertung abzuleiten.
Zwischen einer Abwertung und einem Zuchtausschluss besteht ein erheblicher Unterschied. Diesen Unterschied müssen wir gerade im Interesse einer langfristig gesunden und leistungsfähigen Population ernst nehmen.
Erfreulicherweise wurde auf dieser Veranstaltung kein Hund mit zuchtausschließenden Mängeln vorgestellt.
Eine Veranstaltung auf dem Niveau der LCC-Woche
Am Sonntag gegen 17:00 Uhr war die Veranstaltung mit all ihren Facetten abgeschlossen. Die Teilnehmer konnten mit ihren Hunden die Heimreise antreten.
Wenn man das gesamte Wochenende betrachtet, wird deutlich, welche Dimension diese Veranstaltung angenommen hatte.
26 Hunde in der Talentsichtung, neun vorgestellte Hunde in der Körung und die anschließenden Ausstellungen für Deutsche und Belgische Schäferhunde: Eine Zuchtzulassungsveranstaltung dieser Größenordnung kann sich hinsichtlich ihres Arbeitsumfangs durchaus mit unserer LCC-Woche messen.
Dabei hat sich erneut gezeigt, dass eine durchdachte Organisation und die Bereitschaft, gewohnte Abläufe weiterzuentwickeln, erhebliche zusätzliche Kapazitäten schaffen können.
Wir haben nicht einfach nur mehr Hunde angenommen. Wir haben die Arbeitsabläufe so verändert, dass wir mehr Hunde mit derselben kynologischen Sorgfalt beurteilen konnten.
Das ist für mich eine wesentliche Erkenntnis dieses Wochenendes.
Mein Dank an alle Beteiligten
Mein besonderer Dank gilt der Ortsgruppe RSV2000 Bennebek „de Liekedeelers“ und ihrem gesamten Organisationsteam, das die Voraussetzungen für diese außergewöhnliche Veranstaltung geschaffen hat.
Ebenso danke ich allen eingesetzten LCC, LCC-Anwärtern, unserem LAZ Dr. Helmut Raiser, den Schreibern und allen weiteren Helfern, die mit ihrer Arbeit zum Gelingen beigetragen haben.
Vor allem aber möchte ich mich bei unseren Teilnehmern bedanken.
Für den fairen Umgang miteinander, für die Disziplin, für das Verständnis bei den organisatorischen Abläufen und nicht zuletzt für die gute Atmosphäre an beiden Veranstaltungstagen.
Es war ein arbeitsreiches Wochenende, aber eines, das gezeigt hat, was wir mit gemeinsamer Anstrengung und einer vernünftigen Organisation erreichen können.
Der hohe Zuspruch zeigt uns auch, dass unser Konzept der gebündelten Zuchtzulassung den Bedürfnissen unserer Mitglieder entspricht. Daran sollten wir festhalten und es konsequent weiterentwickeln.
Albert Spreu
- Vorsitzender RSV2000 e.V.
LCC und Zuchtrichter
