Leitlinien

Hotte bei der Arbeit

Informieren Sie sich zu grundsätzlichen Überlegungen in der Hundeausbildung: Die Grundlage: Mensch-Hund-Kooperation / Die Mensch-Hund-Interaktion in der Ausbildung / Lehren, lernen, kommunizieren / Erziehung, Ausbildung und Nutzung

Die Grundlage: Mensch-Hund-Kooperation

Die Mensch-Hund-Kooperation ist ein über 10.000 Jahre altes Kulturgut und bedarf keiner Rechtfertigung. Der Gebrauchshund nimmt eine Sonderstellung ein, er ist ein Wert an sich, ihn und seine genetischen Ressourcen zu erhalten, gehört zur Pflege des Kulturguts.

In früherer Zeit war dem Schäferhund als Hütehund und als Schutzhund eine wichtige Funktion zugewiesen, wodurch er auf seine Leistungsfähigkeit und seine Gesundheit hin selektiert wurde. Heute hat der Sport in zunehmendem Maße diese Funktion übernommen. Dies ist im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen rechtens, jedoch sind an den Umgang mit Hunden Anforderungen zu stellen, die der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf gerecht werden müssen, denn "niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen" (§ 1 des Tierschutzgesetzes von 1998).

Mensch-Hund-Interaktion bei der Ausbildung

Max von Stephanitz

Das Geheimnis aller Erziehung und Ausbildung beruht im richtigen Erkennen und Verwenden vorhandener Anlagen (Max von Stephanitz).

Der Schäferhund ist nur dann in der Lage seine angeborenen Anlagen voll zu entfalten, wenn seine artgemäßen Lebensanforderungen erfüllt werden und er sich mit seiner Umwelt, das heißt auch mit dem Menschen, in Einklang befindet. Diese Harmonie zu erreichen, muss Ziel aller Ausbildung sein. Voraussetzung dafür ist, dass der Hund nicht vermenschlicht, sondern seiner Art gemäß behandelt wird.

Der verhaltens- und tierschutzgerechte Umgang mit Hunden bei der Ausbildung, beim Training und bei der Nutzung verlangt ein hohes Maß an Wissen und Können. Hundeausbilder müssen in der Lage sein, das Verhalten des Hundes als Ausdruck seiner Befindlichkeit zu erkennen und zu akzeptieren. Sie dürfen von ihm nur die jeweils möglichen Leistungen verlangen und die für die Situation geeigneten Hilfsmittel und Einwirkungen anwenden. Deshalb müssen sich Hundeausbilder bei Aus- und Fortbildungen auch Erkenntnisse der Verhaltenslehre erwerben und die Handhabung der technischen Hilfsmittel erlernen.

Hunger, Sexualität, Flucht und Aggression sind die vier großen Antriebe des Hundes, welche wir nutzen, um Sport mit dem Hund zu betreiben, d.h. Ausbildung nutzt den Trieb des Hundes, um technische Ausführungen von Übungen zu erarbeiten. Indem wir seine natürlichen Verhaltensmuster fördern und modellieren, um sie dann abzuprüfen, kann der Hund sich ausleben, und wir können ihn durch gezielte Selektion in seiner Qualität erhalten und verbessern. Ausbildung ist damit Arterhaltung.

Eine Hund-Hundeführer-Harmonie wird erreicht, indem ethologische Erkenntnisse und empirisches Wissen optimal genutzt werden und die soziale Beziehung Mensch-Hund richtig geordnet wird.

Der Hund begreift den Menschen als sozialen Partner, der ranghöher, ranggleich oder rangniedriger sein kann oder aber als Feind.

  • Ranggleichheit gegenüber dem Hund schafft häufige Auseinandersetzungen.
  • Unterlegenheit des Menschen erschwert die Ausbildung und kann den Hund sogar gefährlich machen.
  • Feindschaft verhindert positive Lerneffekte.
  • Der Mensch soll seine ranghöhere Position durch Einfühlung und Zuwendung zum Hund, Wissen und Erfahrung, Konsequenz und Bestimmtheit erreichen.
  • Brutalität erzeugt nicht höheren Rang, sondern Aversion oder Feindschaft.


Der Mensch muss begreifen, dass der Hund nur dann "Fehler" macht, wenn er die Hilfe nicht verstanden hat, er abgelenkt ist, das Verlangte zu häufig wiederholt wird oder der Hund überfordert ist. Er muss auch wissen, dass solche "Fehler" und scheinbarer Ungehorsam auch aus körperlichen und gesundheitlichen Mängeln oder aus früherer Überforderung entstehen können.

Lehren, lernen und kommunizieren

Jeder Lernprozess beginnt mit einem Konflikt für den Hund, da er seine Arbeit noch nicht kennt. Naturgemäß versucht er entweder mit Hyperaktivität oder mit Meideverhalten das Problem zu lösen.

Die Kommunikation zwischen dem Ausbilder und dem Hund erfolgt durch Körpersprache und akustische Sprache. Im Bezug auf das Erlernen von Körpersprache ist der Hund talentiert, das Erlernen von Hörzeichen ist für ihn schwieriger. Die sich daraus ergebenden Verhaltenskonsequenzen für den Ausbilder sind zu erlernen und zu berücksichtigen.

Die Gesetzmäßigkeiten der klassischen und instrumentellen Konditionierung müssen Berücksichtigung finden, ein gutes Timing bei positiver und negativer Verstärkung sind Voraussetzungen für den Lernprozess und unbedingt vom Ausbilder zu erlernen und anzuwenden.

Die sofortige positive Verstärkung ist das Mittel der Wahl am Anfang des Lernprozesses.
Die intermittierende positive Verstärkung intensiviert erlerntes Verhalten.
Die negative Verstärkung dient dazu, gelerntes Verhalten abzusichern und unerwünschtes Verhalten zu unterbinden.

Die Grenze der Intensität von negativer Verstärkung ist am Vergleich mit dem innerartlichen Sozialverhalten der Hunde und den dort angewandten Verständigungs- und Durchsetzungsmitteln zu orientieren, soweit dies nicht zu Schäden führt.

Nachträgliche Sanktionen für Fehlverhalten sind sinnlos und tierschutzwidrig.
Negative Verstärkungen und die dazu benötigten Hilfsmittel müssen zweckdienlich, dem Hund angepasst und letztere in einwandfreiem Zustand sein. Sie dürfen keine länger dauernden Schmerzen und keinesfalls Schäden verursachen.

Die Benutzung von stärkeren negativen Verstärkern muss Ausbildern mit fortgeschrittenem Ausbildungsstand vorbehalten bleiben, die in der Lage sind, diese Hilfsmittel kontrolliert und fachkundig einzusetzen.

Junghund am Beisskissen

Erziehung, Ausbildung und Nutzung

Erziehung und Ausbildung sind nicht voneinander zu trennen und unterscheiden sich nur quantitativ. 
Gelernt wird immer, kommuniziert wird immer.

Der Hund lernt gemäß seiner sozialen Veranlagung

die Beziehung zu seinem Hundeführer
die kommunikativen Elemente
sein optimales Verhalten in jeder Situation, um seinen maximalen 
persönlichen Komfort jederzeit sicherzustellen.