Nachlese und Berichte zur RSV WM 2021

Sieger

Hier finden Sie die Ergebnisse

 

 

Nachlese zur RSV WM 2021

 

Die RSV WM 2021 war in jeder Hinsicht eine gelungene Veranstaltung und markiert die zunehmende Anerkennung unserer fortschrittlichen und antizyklischen Ausbildungs- und Richtweise.

Auch wenn es moderner Richtersport geworden ist, die Ausbildungskompetenz der besten Hundeführer zu diskreditieren, so begreifen immer mehr Hundeführer und auch Nichthundeführer, dass nicht nur der Sieg wichtig ist, sondern ein schönes Ergebnis auf dem 20. und 30. Platz für viele Hundeführer auch eine positive Motivation darstellt.

Das dumme Argument, dass man bei „Pixelguckerei“ und dem Weglassen von höchsten Ergebnissen ein gerechteres Ranking erreichen würde, entlarvt sich als logischer Fehler, weil man sich gerade selbst seines Differenzierungsspielraumes kastriert.

Zum anderen verkennt es die Tatsache, dass Trieb und Technik Antagonisten sind und maximaler Trieb bei maximaler Technik eine Unmöglichkeit darstellt - nur optimaler Trieb bei optimaler Technik ist möglich, denn nur beim Vorhandensein von Konflikten gibt es maximalen Trieb - aber dann nicht die maximale Technik.

 

Unsere Leistungsrichter haben es hervorragend verstanden, die Richtphilosophie zu transportieren, und entsprechend gab es bei den hervorragenden Leistungen sowohl in der Fährte als auch in der Unterordnung die Höchstpunktzahl von 100 Punkten, und im Schutzdienst nutzte man den Spielraum bis 99.

 

Dies trug unter anderem dazu bei, dass endlich einmal wieder wie vor 40 Jahren Euphorie im Stadion herrschte.

 

Aber die Grundlage dafür war die Leistung der Hundeführer:

Vit Glisnik aus Tschechien begeisterte mit Weltklasseleistungen (99,99, 98) und einer Ausbildung, bei der es so gut wie keinen Entwicklungsraum mehr nach oben gibt. Bei seinem letzten Schutzdienst der Veranstaltung war die Spannung extrem hoch, benötigte er doch einen 97iger zum Sieg. Kurioserweise kam dann auch noch heftiger Wind auf und das letzte Versteck flog weg, sodass Vit sein Revieren unterbrechen musste. Für seinen Hund war das nach dem Motto „etwas wehren spornt das Begehren“ wohl zusätzlicher Kick und Vit behielt die Nerven.

 

Die Luft da oben hatte Henrik Jensen kurz vorher mit dem besten Schutzdienst der Veranstaltung (100, 95,99) verdammt dünn gemacht.

 

Nach Tschechien auf dem 1. Platz, Dänemark auf den 2., konnte Enrique Jimenez aus Spanien mit 100, 96,95 die internationale Kameradschaft im RSVglobal mit einer weiteren europäischen Flagge schmücken.

 

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen mit einem gehobenen V Schutzdienst das da oben noch etwas spannend zu machen, aber 2 notwendige zusätzliche Hörzeichen machten mir einen Strich durch die Rechnung. Da hat meine Inlay doch tatsächlich einmal auf das 1. Hörzeichen nicht ausgelassen, wie heißt es so schön: „Das hat sie noch nie gemacht“, und diesmal stimmt es tatsächlich.

Aber genau hier zeigt sich wieder die Bedeutung unserer Richtweise, denn mit 288 Punkten und einem schönen V bin ich total zufrieden und weiter motiviert.

Dasselbe gilt sicher auch für Demis Benedetti aus Italien, und die beiden Schweden, Thorvald Steinsson und Helene Svedberg, die auch mit vorzüglichen 286 Punkten erfolgreich nach Hause fahren konnten.

 

Natürlich gab es im hinteren Feld auch „Wundenlecken“, weil immer mal wieder auch Shit happens. Das gilt für die Hunde, für die Hundeführer, und natürlich auch manchmal für einen Richter, es sind eben alles nur „Menschen“.

 

Ganz nach dem Motto, dass man auf einem Acker keine Formel 1 fahren kann, war für diese Weltmeisterschaft wieder alles optimal bereitet: Der Landwirt Claus Baumgärtel ließ es sich nicht nehmen, in der letzten Woche 60 ha Bohnenstoppeln noch schnell an 3 Tagen umzugrubbern, und auch noch einmal fein zu harken, damit wir einheitliches und optimales Fährtengelände hatten.

Der Hausmeister, Boris Tichanow, im Stadion sorgte am Donnerstag noch einmal dafür, dass der Rasen gemäht und abgesaugt wurde, und es uns an nichts fehlte.

Die Schutzdiensthelfer, René Bauer und Jonas Hoffeld, sorgten dann letztendlich durch sportliche und faire Arbeit dafür, dass Hund und Hundeführer ihr Können auch entsprechend präsentieren konnten.

 

Schon lange habe ich nicht mehr so viele positive Emotionen als Rückmeldungen erhalten wie in diesem Jahr. Und immer mehr Teilnehmer und Zuschauer stellen fest: Die Weltmeisterschaft beim RSV2000 bringt wieder etwas Besonderes hervor, was man seit langem vermisst hat. - Hier ist wieder Kameradschaft und bei aller Spannung auch Spaß im Hundesport.

 

Für die Siegerfeier am Ende mit Spanferkel und Lagerfeuer hatte ich mir dann noch den besonderen Gag ausgedacht. Alle Teilnehmer in der Halle am Wasserplatz stellten sich zu einem Kreis zusammen, damit dann der alte Weltmeister, Peter Kaspereit, den neuen Weltmeister Vit Glisnik hereinholte und in die Mitte führte, wo dann bei Tina Turner/Simply The Best mit Standing Ovations der Weltmeister geehrt wurde.

 

Nachts um 1.00 Uhr verglühte das Feuer und die Helden waren müde, aber alle freuen sich schon auf das nächste Jahr.

 

Dr. Raiser, LAZ

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Ein weiterer Bericht von Dr. Jürgen Grimm

 

Die RSV-Weltmeisterschaft 2021 war aus meiner Sicht eine der gelungensten, die ich miterleben durfte. Als da waren:

  • Drama und Spannung bis zum Schluss
  • Wirklich hochklassige Leistungen an der Spitze
  • Mit Vit Glisnik ein absolut würdiger Sieger, dem wohl auch jeder diesen Erfolg gegönnt hat
  • Eine herzliche Atmosphäre sowohl auf dem Feld als auch auf den Rängen

Beginnen wir mit dem Drama: Das Los wollte es so, der Führende Vit Glisnik musste den Wettbewerb mit dem Schutzdienst abschließen. Seine Aufgabe: Mindestens 97 Punkte für den Sieg! Für Vit Glisnik eine machbare Aufgabe, aber viel durfte dabei natürlich auch nicht schief gehen…

Und wie es das Drehbuch wollte, fiel beim Revieren dann auch noch das letzte Versteck um, kurz bevor der Rüde Wow Vikar sich anschickte, den Helfer zu stellen. Hund und Helfer tauschten verdutzte Blicke aus: Irgendetwas stimmte doch nicht an diesem Setting…

Die Spannung knisterte, auch Nervosität war irgendwie greifbar. Die Richter trafen prompt die einzig richtige Entscheidung und ließen Vit noch einmal seinen Vikar auf das letzte Versteck hetzen.

Ein paar Minuten später stand das Ergebnis fest: 98 Punkte im Schutzdienst und neuer Sieger Vit Glisnik.

Ich hatte ja das Vergnügen als Organisator des Trainings aller Teilnehmer schon bei der Besichtigung des Stadions beobachten zu können. Interessant zu sehen, wie die wirklich hochklassigen Hundeführer ihren Hunden auch mit wenigen Einweisungen die richtigen Orientierungen für den Wettkampf geben. Da fiel mir Vit Glisnik bereits als ungeheuer versiert auf, so dass sein Sieg für mich letztlich nicht überraschend kam.

Überhaupt fand ich auffällig, dass viele der großartigen Vorstellungen aus dem Ausland kamen. Henrik Jensen und Enrique Jiminez hatten sich ihren Platz auf dem Siegerpodest ebenfalls durch sehr stabile hochwertige Leistungen mehr als verdient. Unter den Top Ten fanden sich aus Deutschland nur Helmut mit seiner unermüdlichen Inlay – ich fand es übrigens toll von ihr, dass sie sich auf ihre alten Tage noch mal getraut hat, sich einem Trennkommando zu widersetzen�� – und die mit ihrer Gucci gewohnt erfolgreiche Ingrid Berensmann wieder. Ich denke, Helmut muss da auch in seiner Trainingsgruppe mit uns die Zügel wieder etwas straffer ziehen. ��

Bewährt hat sich das System mit zwei Richtern. Zwar kam es einige Male vor, dass die Wertungen der beiden Richter auch stärker divergierten, doch hatte ich fast immer das Gefühl, dass die Gesamtwertung der gezeigten Vorführung gerecht wurde. So konnte auch ein Ausreißer, der immer wieder mal menschlich ist und vorkommen kann, immer recht gut ausgeglichen werden.

Toll auch der Einstieg des ‚Newcomers‘ Peter Kaspereit als Richter der Unterordnung, der sich als amtierender Weltmeister beim Richtereinstieg auf großer Bühne stets auf die Unterstützung des alten Hasen Gerd Fern verlassen konnte.

Die Atmosphäre war gewohnt familiär und herzlich. Es hat Spaß gemacht, mal wieder Hundesport auf hohem Niveau unter Gleichgesinnten zu genießen.

Freue mich schon auf das nächste Jahr. Vielleicht dann auch wieder als Teilnehmer.