Bericht zur RSV2000 WM 2020 aus "Der Gebrauchshund" von Gerd Fern in A

Gerd

Bericht von Leistungsrichter Gerd Fern in der Fährte

Bericht Leistungsrichter in der Fährte

 

Als Leistungsrichter in der Fährte hatte ich die Aufgabe, die Leistungen der Teams (Hund - Hundeführer) in der Prüfungssituation zu bewerten und zu würdigen.

Als Leitlinie standen mir dazu zum einen die in den Richtertagungen des RSV2000 erarbeiteten Grundsätze für die Beurteilung von Prüfungen auf regionaler und überregionaler Ebene zur Verfügung und als weiteres Tool ein einheitlich im RSV2000 verwendeter Richterbogen in dem die Leistungen über die zu vergebenden Wertnote in den Einzelsparten Trieb, Technik und Koordination über deren Äquilibration zur  Endwertnote der jeweiligen Einzelübung führt.

Eine weitere Herausforderung bestand darin, den seit 2017 auf der RSV WM eingeführten Winkelabriss entsprechend zu bewerten, da hier die Suchleistung des Hundes bei Verlust der Trittspur anders bewertet werden muss als bei den normalen 90 ° Winkeln. 

Der Schwerpunkt der Beurteilung liegt beim Winkelabriss darin, dass der Hund die triebliche Balance behält und innerhalb einer gewissen Zone konzentriert , sowie nervlich stabil die Fährte wieder aufnimmt und seine Kernaufgabe weiter erfüllt. 

Hierzu stellt der RSV2000 ein Video auf der Internetseite zur Verfügung, indem ersichtlich ist, welche Leistungen des Hundes am Winkelabriss im Vorzüglich liegen. (S. Folgenden Link...https://youtu.be/qsTeMYq2iCs)

 

Ich hatte 33 Teams zu bewerten, woraus sich folgende Ergebnisse ergeben haben:

  • 13 V
  • 8 SG
  • 6 G
  • 3 B
  • 3 M

 

Mein persönlichen Eindruck der gezeigten Fährtenleistungen ist wie folgt. Unsere Bewertung der „Trieblichen Balance“ im Bereich des Triebverhaltens und Begriff auf dem Richterbogen hat in den letzte Jahren dazu geführt, das immer mehr Hunde vorgeführt werden, die mit auftretenden Problemen auf der Fährte z.B. stärkere Windverhältnisse oder kurzzeitiger Fährtenverlust, konfliktfreier umgehen und bei ihrer Kernaufgabe der Nasenarbeit bleiben. Auch die Einführung des Winkelabrisses mit den entsprechenden Bewertungskriterien haben meines Erachtens in Ausbildung und Training einen positiven Einfluss auf die Fährtenarbeit genommen. 

Niedrige Punktzahlen lagen in der Regel an liegen gelassenen Gegenständen. Bei drei Hunden habe ich abgebrochen, da sie die Fährte bereits am Abgang nicht richtig aufgenommen haben und die Fährte somit im ersten Schenkel nicht halten konnten bzw. nicht die notwendige Konzentration gefunden haben. Ein Hund hat am Winkelbriss die Fährte verloren und den weiteren Fährtenverlauf nicht mehr aufgenommen.

Bedanken möchte ich mich  bei allen Funktionern, die zur Organisation und Durchführung der Abteilung A zur Verfügung gestanden haben. Aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus weiss ich, das jeder in solchen Funktionen immer das Beste gibt. 

Herausstellen möchte ich aber zusätzlich hier noch die Verantwortung von Petra Jensen  vom Schäferhundverein RSV2000 Bennebeck, sie war für die Betreuung der Hundeführer und Organisation vom Eintreffen der Hundeführer im Gelände bis zum Fährtenabgang verantwortlich und dem verantwortlichen Dirk Edler, der als Fährtenbeauftragter dafür gesorgt hat, dass von jedem Team, anhand des zur Verfügung stehenden Gegebenheiten, die gleichen Bedingungen vorgefunden wurden.

Ich persönlich bedanke mich für das mir entgegengebrachte Vertrauen für diese überregionale Veranstaltung und wünsche dem Richtercorps des RSV2000 weiterhin spannende Richtertagungen, die unter Berücksichtigung der kompetenten Streitkultur im RSV2000, weiter an der Gleichschaltung der Köpfe und somit auch der Wertnoten arbeiten. 

Gestatten Sie mir hier bitte an dieser Stelle einen kurzes Statement meiner persönlichen Meinung bezüglich des Gebrauchshundesportes.

Gerade in der heutigen Zeit, in der Bestrebungen dahin gehen, den Gebrauchshunden ein bestimmtes Ausdrucksverhalten an zu trainieren und nur dieses Verhalten findet in der Bewertung die Höchstnote wird für die Zukunft des Gebrauchshundesportes nicht dienlich sein. 

Diese Denkweise ist einseitig, fördert nur einen speziell dafür geeignetes genetisches Potenzial an Hundetyp, ist somit züchterisch relevant und sollte in Bezug auf die genetische Breite, welche ein Großteil der Rassen mittlerweile gefährlich belastet, kritisch betrachtet werden. 

Die These, dass die Zukunft des Gebrauchhundesportes mit einer guten Zucht zu gewährleisten ist reicht aus meiner Sicht nicht mehr aus. Ist es nicht  an der Zeit mal zusätzlich darüber nachzudenken, dass die Zukunft des Gebrauchshundsportes daran gemessen werden sollte, wie hoch die Anzahl von absolvierten Gebrauchshundeprüfungen pro Jahr ist ? Besteht zur Zeit nicht die Gefahr, das die Basis der Hundesportes, wegen nicht zu erreichender Leistungen, Ziele oder Bewertungen mit dem  Hund weg bricht.

Im RSV2000 ist es bereits mittlerweile so, wer seinen Hund nicht führt muss richten. Hoffentlich stehen wir nicht schon bald als Richter allein auf dem Platz.