RSV Prüfungsordnung

Hans Bodenmeier Freifolge

Warum eine RSV2000 Prüfungsordnung?



Es gibt reichlich Gründe! 2017 will die FCI eine neue Prüfungsordnung einführen und auch wir wurden aufgefordert unsere Gedanken und Ideen einzubringen.

Wir wären nicht der RSV2000, wenn wir ein solches Thema nicht ohne grundsätzliche Überlegungen angehen würden.

Was soll und muss eine Prüfungsordnung leisten?

Eine Prüfungsordnung ist das Handbuch für Richter, Helfer, Fährtenleger, Prüfungsleiter – und natürlich und vor allem auch für den Hundeführer. Sie sollte übersichtlich und nachvollziehbar sein und sich am Zweck und den Möglichkeiten der Gebrauchshunderassen und ihrer schrittweisen Ausbildung orientieren.

Die Regeln müssen umfassend sein. Auch der Anfänger muss wissen, dass niemand am Prüfungstag eine weitere Regel „aus dem Hut zaubern kann“, die irgendwann einmal in einer früheren Vorschrift nachzulesen war.

Die Prüfungsordnung muss die Kriterien eines Tests: Objektivität, Validität und Reproduzierbarkeit erfüllen. Sie ist damit untrennbar mit dem Richten der einzelnen Personen verbunden und alle Leistungsrichter sollten nach denselben Kriterien richten.

Die Prüfungsordnung muss berücksichtigen, dass „Meister nicht vom Himmel fallen“, ein auf regionaler Ebene geführter Hund sollte zwar nach denselben Kriterien und Wertigkeiten gerichtet werden, aber die Endnote sollte sich bei regionalen und überregionalen Prüfungen unterscheiden, denn auch Hundeführer möchten positiv bestätigt werden und jeder freut sich über ein „Vorzüglich“ mehr als über ein „Sehr gut“ und über ein „Sehr gut“  mehr als über ein „Gut“.

Last but not least muss jede Prüfungsordnung dem Anspruch gerecht werden, dass die Zucht sich heute an den Wertigkeiten/Ergebnissen im Sport orientiert. Die Wertigkeiten der Prüfungsordnung und des Richtens beeinflussen also immer auch die Zucht und die Hunde zukünftiger Generationen. Da sollte man schon überlegen und wissen, wohin der Weg führen soll.

Warum ist es sinnvoll die bestehende Prüfungsordnung zu überdenken?

Die Übungen der bestehenden Internationalen Gebrauchshundeprüfungen wurden in Jahrzehnten entwickelt und haben sich grundsätzlich bewährt. Sie sind den Hundeführern und den Richtern vertraut.

Bei der Bewertung dieser Übungen haben sich über die Jahre immer mehr Kuriositäten eingeschlichen, die letztendlich dazu geführt haben, dass die Kernteile der Übungen zu wenig, das Beiwerk aber überbewertet wird.

Darüber hinaus haben sich die Bewertungen so verschoben, dass sie dem eher Beute orientierten, grünen Hund mit weniger starken Nerven entgegenkommen und diese Hunde damit in der Zucht mehr Berücksichtigung finden. Der nervenstarke, eher dominante, graue Hund wird eher benachteiligt und verliert an Bedeutung für die Zucht. Ein Beispiel hierfür ist das verlangte geschlossene Führen zwischen den Übungen. Wir brauchen aber in der Zucht des Deutschen Schäferhundes beide Hundetypen.

Die bestehende Prüfungsordnung ist zu lang und unübersichtlich. Dadurch ist sie leseunfreundlich, denn niemand kann sich merken, was auf Seite 5 der 125 Seiten stand, wenn er auf Seite 68 angekommen ist. Dies gilt offensichtlich auch für die Autoren der Prüfungsordnung, nur so sind die entstandenen Widersprüche zu erklären.

Ein erster Schritt, die Lesbarkeit zu erleichtern, war die auf unserer Internetseite veröffentlichte Kurzfassung der Internationalen Gebrauchshundeprüfungsordnung in ihrer Fassung 2012.

Richten geht über Anforderungen der Prüfungsordnung hinaus

Leider kommt es  - eigentlich unabhängig von der Prüfungsordnung – auch immer wieder zu falsch verstandenem Ehrgeiz bei den Richtern nach dem Motto: je schärfer, desto besser. So muss man feststellen, dass nicht gewagt wird, zu Beginn einer Prüfung 100 Punkte zu vergeben, weil „ja noch jemand kommen könnte, der es noch besser kann.“ Falsch, wer die Vorgaben der Prüfungsordnung voll erfüllt, verdient 100 Punkte, wer noch ein i-Tüpfelchen draufsetzt, erfreut sich und die Zuschauer, aber mehr Punkte gibt es nicht.

Durch diese Entwicklung wird auch nicht mehr die Spannbreite von 5 Punkten für ein „Vorzüglich“ genutzt, sondern nur 50%, wenn es nur 96 und 97 und selten einmal 98 Punkte für eine Disziplin gibt.

Deshalb lassen sich Prüfungsordnung und Richtweise/Richterbögen nicht von einander trennen. Vorgegebene Richterblätter müssen zwingend Bestandteil einer Prüfungsordnung sein wie Vorgaben für die Wertnoten. Nur so können Kuriositäten vermieden werden, wie die Überraschungen bei Prüfungen: Was will dieser Richter sehen?

Eine nationale Prüfungsordnung wurde aufgegeben

Spätestens seit der Diskussion um eine mögliche Abschaffung der Stockschläge ist sich jeder des Risikos bewusst, in das man sich begibt, wenn man nur noch eine FCI Prüfungsordnung hat. Eine nationale Prüfungsordnung, wie wir sie über Jahrzehnte hatten, könnte Irrwege abfangen und Bewährtes erhalten.

In diesem Sinne soll die RSV Prüfungsordnung zum einen eine interne Prüfungsordnung für alle RSV2000-Vereine innerhalb des RSVglobal sein, zum anderen aber auch als Feldversuch für unsere Ideen dienen, die wir über den VDH bei der FCI einbringen möchten.

Regeln sind nicht immer kynologisch sinnvoll

Dazu kommt ein RSV2000 Personalproblem.  Es ist für uns unabdingbar, dass der LAZ als Zuständiger für die Richter und deren Ausbildung auch Leistungsrichter ist. Dies ist an der VDH Vorgabe (nicht FCI!) gescheitert, dass ein Richter zu Beginn seiner Ausbildung nicht älter als 55 Jahre sein darf. Mag diese Regelung noch sinnvoll gewesen sein, als die 70-Jahre Regelung für das Höchstalter gab, seit deren Abschaffung ist sie u.E. nicht mehr rational begründbar.

Die RSV Prüfungsordnung – was ist anders?

Als erstes springen die äußeren Abweichungen ins Auge:

Die Prüfungsordnung selbst umfasst 17 Seiten, unten auf den einzelnen Seiten kann man immer erkennen, ob man gerade im allgemeinen Teil oder z.B. bei der Unterordnung ist.
Alle Übungen der Prüfungsstufen werden zusammen in Tabellenform dargestellt. So kann man sehr einfach die Veränderungen von Stufe zu Stufe erkennen – und was gleich bleibt.

Alle RSV2000-Richterbögen und die Wertnotendefinitionen sind als Anlagen in die Prüfungsordnung integriert.

Die Prüfungen unterscheiden sich semantisch: Im RSVglobal werden RSV Schutzhundprüfungen angeboten. Unter dem Begriff können sich alle eher etwas vorstellen als unter einer Gebrauchshunde- oder vorher Vielseitigkeitsprüfung.

Eine Begleithundeprüfung ist innerhalb des RSV2000 nicht mehr zwingend vorgeschrieben, wenn man nur interne RSV prüfungen ablegt. Sie kann freiwillig abgeleistet werden, da sie ausbildungstechnisch eine intelligente Ausbildung konterkariert.

Im Schutzdienst entfallen die TSB-Bewertung und die Pflichtpunktabzüge, die Richterbögen geben mit den Bewertungskriterien Trieb, Technik und Koordination präziser Auskunft.
Die Äqulibrierung der vergebenen Wertnoten für die Parameter der gezeigten Leistung: Trieb, Technik und Koordination, ermöglicht die Findung der zutreffenden Wertnote für die einzelne Übung.

Nun die Kernpunkte:

  • Die Prüfungsordnung orientiert sich und berücksichtigt in Verbindung mit den Richterbögen und den Wertnoten sowohl inhaltlich als auch chronologisch die Ausbildung des Hundes zur Schutzhundprüfung.
  • Die Gütekriterien eines guten Gebrauchshundes spiegeln sich in den Bewertungen wider.
  • Die RSV Prüfungsordnung stärkt die Rechte des Hauptdarstellers jeder Prüfung, des Hundeführers. Er „muss und soll nicht mehr“, er „kann und darf“ jetzt auch!
  • Die RSV Prüfungsordnung orientiert sich an der Praxis und respektiert den Hundeführer mit seinen Leistungen. Richter, Helfer und Prüfungsleiter leisten Service für den Gebrauchshundgedanken.

Gültigkeit, Richter und Anerkennung der RSV Prüfungsordnung

Mit dieser Veröffentlichung auf der Internetseite des RSV2000 tritt die RSV2000 Prüfungsordnung in Kraft. Sie gilt innerhalb des RSV2000 und allen Vereinen, die dem RSVglobal angeschlossen sind. Die IPO-Prüfungen, die vorher und jetzt innerhalb des RSVglobal abgeleistet wurden, sind den Prüfungen nach der RSV Prüfungsordnung gleichgestellt. Entsprechend werden wir unseren Zuchtplan aktualisieren.

Bei der aktuell anstehenden WM RSV2000 und der IFH RSV2000 werden die Richter unsere Richterbögen einsetzen, es gilt die Definition der Wertnoten, auch  die Äquilibrierung wird angewandt. Die zugrunde liegende Prüfungsordnung ist die Internationale Gebrauchshundeprüfungsordnung der FCI in der Fassung 2012.

Ob die Prüfungen nach der RSV Prüfungsordnung auch von anderen Gebrauchshundevereinen als gleichwertig zur IPO anerkannt werden, wissen wir noch nicht. Wir würden dies begrüßen.

Wer kann nach der RSV Prüfungsordnung richten?

Aktuell besitzt der LAZ Dr. Helmut Raiser eine Lizenz für diese Prüfungen, er kann ab sofort als Richter für Prüfungen nach RSV Prüfungsordnung eingeladen werden. Auf seiner Sitzung am 1. Oktober 2014 wird das RSVglobal Präsidium weiteren Richtern diese Lizenz zusätzlich zuerkennen. Sie alle werden, anders als Herr Dr. Raiser, dann sowohl IPO als auch RSV Prüfungen richten können, soweit sie diesbezüglich die VDH/FCI Anerkennung haben.

Der Hundeführer kann zukünftig wählen, ob er nach der VDH/FCI oder der RSV Prüfungsordnung führen möchte. Eine Ausnahme sind die Qualifikationsprüfungen für die VDH Deutsche Meisterschaften, hier wird die VDH/FCI Prüfungsordnung zumindest für all diejenigen gelten, die sich qualifizieren möchten.

Wir betreten wieder einmal Neuland

Die neue RSV Prüfungsordnung wurde nach monate-, eher schon jahrelanger Diskussion und vor allem aufgrund jahrzehntelanger praktischer Erfahrung unserer Hundeführer und Richter zusammen mit Dr. Helmut Raiser  geschrieben.

Die Inhalte wurden mehrfach mit den LCC und im Juli im Rahmen der Richtertagung auch mit unseren Richterkollegen aus dem Ausland besprochen und weiter entwickelt. Der Zuspruch war groß, er übertraf die ersten Erwartungen.

Kleine Fragezeichen gibt es in Bezug auf die zukünftige Umsetzung. Aber wir sind flexibel und offen und 17 Seiten lassen sich einfacher korrigieren als 125 ... Wir rechnen allerdings nicht mit größeren Veränderungen.

RSV PO