06.04.2010 Stille und Konzentration über Stunden…

Die Spannung der Teilnehmer über so viele Stunden zu halten, erfordert eine in jeder Hinsicht super Performance. Esther Schalke zeigte mit jedem Satz, dass sie Wissenschaftlerin und Hundesportlerin in einem ist. Jede theoretische Aussage beschrieb und untermauerte sie mit Beispielen aus der Praxis.

Vergiss die Eins nicht!
Nach den Grundlagen am Vormittag zum Lernen (Lerntheorien, unterschiedliche Konditionierungen) nahmen Strafen in der Ausbildung einen breiten Raum ein. Es war für die zuhörenden Praktiker erfreulich, dass auch die Wissenschaftlerin feststellte, dass eine Ausbildung ohne Strafen nicht möglich ist. Sie betonte immer wieder die Notwendigkeit einer Abstimmung von Hilfen und Einwirkungen an das Triebniveau und auch den Charakter des Hundes. Es gibt grundlegende Unterschiede im Lernverhalten zwischen Hunden verschiedener Rassen, aber auch zwischen einzelnen Individuen. „Wichtig ist, wie der Hund eine Strafe empfindet, nicht das, was der Mensch damit verbindet.“

Kritische Anmerkungen zu Modeströmungen in der Hundeerziehung sowie einigen Praktiken in vielen Welpenspielstunden entlarvte sie als kontraproduktiven Unsinn. Dagegen unterstrich sie die hohe Bedeutung einer strukturierten Lerneinheit (Frau Dr. Schalke bekam „große Ohren“, als sie vom Ausbildungskonzept des RSV2000 hörte) sowie dem intelligenten Einsatz von Verstärkern. Hierzu ein für die Praxis wichtiges Zitat aus dem Vortrag zur intermittierenden Verstärkung: „Vergiss die Eins nicht!“

Geringster Stress und höchste Lerneffizienz dank Teleimpulsgerät
Der Nachmittag gehörte der Vorstellung einer wissenschaftlichen Studie mit 42 Diensthunden (Malinois) zur Effizienz der Ausbildung sowie Stressbelastung der Hunde beim Einsatz eines Abbruchsignals, eines Stachelhalsbandes und eines Elektroimpulsgerätes nach heutigem Standard. Die Ergebnisse haben die Ethologen teilweise überrascht, entsprachen jedoch den Erwartungen der praxiserfahrenen Hundler: Die Lern-Effizienz ist beim Einsatz des Teleimpulsgerätes am höchsten, die Stressbelastung dabei am geringsten. Die höchste Belastung für den Hund und die geringste Effizienz erreicht das Abbruchsignal.
Fazit: kurzzeitige effektive Lernprozesse erzeugen schnelle Handlungssicherheit = optimale und tiergerechte Ausbildung.

In der anschließenden Diskussion bestätigte Frau Dr. Schalke, dass weitere Untersuchungen folgen werden. Einige Teilnehmer entwickelten sofort Ideen für weitere Studien: Frau Dr. Schalke, der RSV2000 wird mit Ihnen in Kontakt bleiben!

Die Teilnehmer fragten nach einer Möglichkeit, das Skript des Vortrags zu erhalten. Sobald Frau Dr. Schalke es dem RSV2000 zur Verfügung gestellt hat, wird es gegen eine Gebühr als Ausdruck erhältlich sein. Dazu eine wichtige Anmerkung: Die Folien enthalten lediglich Stichworte, wenn man nicht in Gießen war, ist es kaum möglich, die Inhalte anhand dieser Präsentationsfolien zu erfassen. Aber: Im Sommer wird ein Büchlein von ihr zu diesem Thema erscheinen.

Übergreifendes Interesse
Liebe Frau Dr. Schalke, herzlichen Dank für einen informativen, spannenden, weiteren Höhepunkt in der Reihe der Vortragsveranstaltungen des RSV2000, der Fortsetzung der Tradition der ZG Züchtergemeinschaft!

Allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön für ihre Aufmerksamkeit und Disziplin, vor allem jedoch auch für die Tatsache, dass sich zum ersten Mal mehr als 90% der Teilnehmer vorher angemeldet hatten. Der Saal war für 224 Personen bestuhlt, alle Plätze waren besetzt. Die meisten Anwesenden waren Schutzhundesportler, aber auch eine größere Gruppe von Rettungshundeausbildern hatte sich eingefunden. Hundeausbildung verbindet!

Bilder zur Veranstaltung